Bericht zum Diskussionsabend: "Wir brauchen ein gerechtes Schulsystem - Keiner darf verloren gehen"

Veröffentlicht am 13.06.2007 in Bildung

Quelle: www.spd-arzberg.de

Zu viele Schüler in den Klassen, zu wenige Lehrer, zu wenig Geld für Bildung, zu wenig Zeit für die Kinder, veränderte gesellschaftliche Bedingungen: Das sind die Hauptursachen dafür, dass das Schulsystem in Bayern nicht so funktioniert, wie es eigentlich funktionieren sollte.
Darüber waren sich die Teilnehmer der Diskussion zum Thema "Schule" einig, zu der die Arzberger Sozialdemokraten eingeladen hatten.

Es ist ein sehr komplexer Bereich, den sich die Arzberger Genossen am Montag für ihren Diskussionsabend vorgenommen hatten. Die Schulsituation in Bayern ist aber offensichtlich ein Thema, das vielen Menschen unter den Nägeln brennt. Rund 50 Teilnehmer - unter ihnen etliche Lehrer - waren der Einladung des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Stefan Klaubert gefolgt, um sich damit auseinander zu setzen, wie die Schule insgesamt in Bayern gerechter, sozialer und effektiver werden kann. "Wir brauchen ein gerechtes Schulsystem - Keiner darf verloren gehen!" Unter diesem Titel hatte der SPD-Ortsverein den Diskussionsabend gestellt. Um die diese Forderung zu untermauern, stellte Stefan Klaubert einige Zahlen aus dem Freistaat der Diskussion voran:
  • Fast jeder zehnte Jugendliche verlässt in Bayern die Schule ohne Abschluss
  • Nur 19% der Schüler erreichen die allgemeine Hochschulreife (Abitur)
  • Jedes Jahr bleiben 60000 Schüler sitzen
  • Die Zahl der Klassen mit mehr als 30 Schülern hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht
  • Jeder fünfte Schüler bewältigt den Unterrichtsstoff nur noch - mit oft sehr teueren - Nachhilfestunden
  • Die Ausgaben für Bildung liegen in Bayern mit 2% des Bruttoinlandprodukts unter dem bundesweiten Durchschnitt. In PISA-Siegerländern werden bis zu 5% investiert.
Das bildungspolitische Konzept der SPD lehne sich daher an das Prinzip der Schulen im PISA-Siegerland Finnland an. "Jedes Kind ist wichtig. Keines darf auf dem Weg durch die Schule verloren gehen", sagte Stefan Klaubert. Im dreigliedrigen bayerischen Schulsystem würden Bildungspotentiale vergeudet, gleiche Bildungschancen blieben auf der Strecke. Als Wege aus der Misere stellte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende unter anderem eine gemeinsame Erstschulzeit (Primärschule) bis zur sechsten Klasse mit bestmöglicher Förderung, die Einführung von sogenannten Regionalschulen und die Ausweitung der Ganztagsschulen mit mehr Zeit zum Lernen für die Kinder sowie die Umsetzung der Ergebnisse aus der PISA-Studie zur Diskussion. Geringes Interesse der Staatsregierung Kein Blatt vor den Mund nahmen die anwesenden Lehrer. Friedrich Reichel, Vorsitzender des BLLV-Kreisverbandes Arzberg sagte, der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband fordere seit Jahren eine längere gemeinsame Primärschulzeit. "Wir sind sang- und klanglos untergegangen, weil das Thema niemanden wirklich interessiert", sagte Reichel. Die Lehrer ließen sich durch die Ankündigungen der Staatsregierung zufriedenstellen. Diese habe jedoch mit der Einführung der sechsstufigen Realschule den Auslesedruck noch verschärft. "Es kann nicht sein, dass Kinder, die in der dritten Klasse einmal eine Drei als Note bekommen, heulen und sich nicht mehr nach Hause trauen. Wir Lehrer sind nicht gefragt worden. Aber blöd wie wir sind, machen wir trotzdem mit." Nach Einschätzung Reichels wird die Hauptschule systematisch ruiniert. Mittlerweile sei die Realschule zur eigentlichen Volksschule geworden. Jetzt wolle die Staatsregierung mit "etwas Gerede" die Hauptschule stärken. Aber der BLLV rechne damit, dass weitere 400 bayerische Hauptschulen schließen werden. Dass die Maxime der Staatsregierung "Fordern und fördern" leere Worte seien, unterstrich der Arzberger Grundschulrektor Rainer Rößler: "Ich kann's nicht mehr hören", sagte er. Ein individueller Föderunterricht sei nicht möglich, weil die Förderlehrer häufig eingesetzt würden, um reguläre Unterrichtsstunden zu halten. Tausende von Förderstunden fielen in Bayern diesem Umstand zum Opfer. Um Verhältnisse wie in Finnland zu erreichen, müssten 30 Prozent mehr Lehrer eingestellt werden. In dem skandinavischen Land sei in jeder Klasse ein Förderlehrer eingesetzt. Wie Reichel beklagte Rößler, dass Solidarität und ein Miteinander an der Schule heute nicht mehr gefragt seien. „Alles, was das Seelenleben anbelangt, kommt in der Schule zu kurz“, sagte der Rektor. Und dass immer mehr höhere Schulabschlüsse angestrebt und von den Arbeitgebern verlangt würden, sei „das Spiegelbild unserer exzessiv kapitalistisch eingestellten Gesellschaft“. Es gehe nur ums Geld“. Fehlende Lehrer und hohe Ausfallzeiten beklagte auch SPD-Kreisvorsitzender Heinz Martini. Die Leidtragenden seien die Menschen im ländlichen Raum. „Wir müssen Wege finden, dass Zeit und Geld für die Kinder eingesetzt werden“, sagte Martini. Wichtig sei es zudem, aus Fehlern zu lernen. Ella Nickl vom Verein der Tagesmütter sagte, dass ihrer Erfahrung nach auch viele Eltern erzogen werden müssten. Sie forderte vor allem Zeit für die Kinder ein, um sich mit ihnen individuell beschäftigen zu können. Auf die Forderung der SPD nach einem verpflichtenden und kostenlosen letzten Kindergartenjahr und einer Ganztagsschule ab dem ersten Schuljahr wies AsF-Vorsitzende Bettina Bayerl hin. Aufruf zum Protest Kein gutes Haar ließ der frühere Marktleuthener Bürgermeister und pensionierte Volksschullehrer Georg Dülp an Kultusminister Siegfried Schneider: „Der war früher selbst Volksschullehrer, und nun macht er noch größeren Mist als seine Vorgänger.“ Da helfe nur eines: „Aufstehen und protestieren!“ Mit den Eltern sowie Vertreterinnen der Kindertagesstätten waren sich die Politiker und Lehrer einig, dass eine längere gemeinsame Erstschulzeit den großen Druck, dem die Kinder bereits in der Grundschule ausgesetzt sind, verringern würde. Die Wahl der Schulart hänge von vielen Faktoren ab. Eine Ganztagsschule könne manchen Kindern Halt geben, für andere bedeute diese Schulart zu viel Zwang. Entscheidend sei der Wille der Eltern und Kinder. Berichtsquelle: www.spd-arzberg.de
 

 

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