Landtags-SPD zur Grundschulreform: Gerecht ist, wenn keiner verloren geht!

Veröffentlicht am 23.04.2007 in Bildung

Hans-Ulrich Pfaffmann fordert die Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre: Wir müssen den Druck von den Kleinsten nehmen – Übertrittszeugnisse abschaffen.

Die SPD-Landtagsfraktion fordert eine umfassende Grundschulreform. Die Kernpunkte hat der stellvertretende Vorsitzende des Bildungspolitischen Ausschusses des Landtags und SPD-Bildungssprecher, Hans-Ulrich Pfaffmann, der Presse vorgestellt:
  • die Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre
  • die Abschaffung der Übertrittszeugnisse, die den Zugang zu Gymnasium und Realschule beschränken.
  • Stattdessen sollen die Eltern nach einem verpflichtenden Beratungsgespräch mit den Lehrern selber die Wahl der weiterführenden Schule treffen.
"Schwerpunkt einer sechsjährigen Primarschule muss die individuelle Förderung sein. An die Stelle des bisherigen Übertrittszeugnisses mit der Beurteilung in drei Fächern soll eine ganzheitliche Beurteilung treten", erklärte Hans-Ulrich Pfaffmann. Derzeit lastet in der Grundschule enormer Druck auf den Kindern. Die Auswahl nach der vierten Klasse sei zu früh. "Viele Kinder scheitern nicht an den Anforderungen des Stoffs, sondern am Druck von Lehrern, Eltern und Mitschülern. Wir mussen den Druck von den Kleinsten nehmen. Gerecht ist, wenn keiner verloren geht! Wir sollten jetzt handeln und nicht erst in 15 Jahren." Die Vorlage zur Pressekonferenz mit Hans-Ulrich Pfaffmann hat folgenden Wortlaut: Bayerns Viertklässler sehen sich in diesen Wochen einer großen Hürde gegenüber gestellt. Der aus diesen hervorgehende Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht regelt den Zugang an weiterführende Schulen. Nur, wer einen Durchschnitt von 2,33 oder besser auf seinem Übertrittszeugnis stehen hat, kann sich ohne Probeunterricht an einem Gymnasium einschreiben lassen. Bis zu einem Durchschnitt von 2,66 ist die Realschule die höchstmögliche Option, allen anderen bleibt nur der Weg in die Hauptschule. Druck auf die Kleinsten mindern Die geringe Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems zwingt viele Eltern und Schüler dazu, dieses Übertrittszeugnis äußerst ernst zu nehmen. Nicht umsonst sprechen viele Eltern vom "Abitur in der Grundschule". Denn ein Aufstieg auf eine höhere Schule ist schwer. Mit der Einführung des 8-jährigen Gymnasiums wurden diese Aufstiegsmöglichkeiten noch mehr beschnitten. Der Druck, der dadurch auf den Kindern lastet, ist enorm. Zusehens häufen sich Fälle von Depressionen und psychosomatischen Krankheiten bei Grundschülern. Viele sind dem Druck nicht gewachsen und scheitern - nicht an den Anforderungen des Stoffs, sondern am Druck von Seiten der Lehrer, der Eltern und nicht zuletzt der Mitschüler. Eine aktuelle Studie des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung zeigt, dass selbst mehr als die Hälfte aller Lehrer den Druck als zu hoch ansehen und eine längere gemeinsame Schulzeit, sowie höhere Durchlässigkeit fordern. Nachhilfe und Unterricht zu hause Um dem vorzubeugen, schicken immer mehr Eltern ihre Grundschüler in Nachhilfestunden, nach der Schule, in Zeiten, in denen die Kinder ihren Interessen nachgehen sollten. Stattdessen pauken manche Kinder fünf Tage pro Woche bis 18:00 Uhr, nur, um den entsprechenden Notenschnitt im Zeugnis stehen zu haben. Dass unter solchen Bedingungen das soziale Umfeld und die Motivation früher oder später zu Grunde gehen, ist naheliegend und wird von Psychologen und Wissenschaftlern immer wieder bestätigt. Darüber hinaus nimmt der Druck auf die Familien immer weiter zu. Unterricht und Vertiefung, die in der Schule nicht stattfinden, müssen von den Eltern übernommen werden. Frühe Auslese ist unsinnig Der Sinn eines frühen Aussortierens nach der vierten Klasse wird längst von zahlreichen Experten in Zweifel gezogen. Nach einer Studie des Ifo-Instituts leidet nicht nur die Chancengleichheit für Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten, sondern auch das Leistungsniveau unter der frühen Auslese. So entwickeln viele Kinder ihre individuellen Fähigkeiten erst nach der Grundschulzeit. Werden diese dann nach der vierten Klasse auf eine Schule unterhalb ihrer Fähigkeiten überwiesen, werden wertvolle Ressourcen verschenkt und die Zukunftschancen des Kindes fahrlässig gemindert.
 

 

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