SPD-Bildungssprecher Pfaffmann: Stellenstreichungen zurücknehmen, Beförderungen zulassen, Rektoren entlasten.
Der Bildungssprecher der SPD-Fraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann, hofft, dass sich Ministerpräsident Edmund Stoiber auch wochentags noch an seine heutige Sonntagrede erinnern kann. Stoiber hatte nach dem Hauptschulkongress mehr Anerkennung für Bayerns Lehrerinnen und Lehrer gefordert. "Mit dem geforderten Respekt der Lehrer kann die Staatsregierung auf der Stelle selbst anfangen und damit Herr Stoiber und vor allem sein Kultusminister das nicht vergessen, geben wir ihnen noch ein paar Merkzettel mit auf den Weg:
- 1. Wenn Stoiber mehr Anerkennung für Lehrer und Lehrerinnen fordert, warum lässt er dann zu, dass 1600 Stellen an Hauptschulen gestrichen werden?
- 2. Wo bleiben die Beförderungsmöglichkeiten und die gleichwertige Bezahlung? Nach der Föderalismusreform können wir sofort dafür sorgen, dass die Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen eine Beförderungsmöglichkeit bekommen.
- 3. Wo sind die kleineren Klassen und die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer durch mehr Selbstständigkeit der Schulen?
- 4. Wo bleibt die ausreichende Entlastung der Hauptschulrektoren, die aufgrund ihrer Verwaltungsarbeit seit Jahren hoch belastet sind?
- 5. Wann gibt es endlich ausreichend Verwaltungskräfte an Schulen, damit sich Lehrerinnen und Lehrer auf ihr Kerngeschäft, den Unterricht, kümmern können?
Immer noch zu wenig Lehrer
Der Hauptschulkongress in Ingolstadt hat für Bildungssprecher Pfaffmann fast keines der drängenden Probleme der Hauptschule lösen können. "Von allzu bekannten Problemen haben wir viel gehört, von innovativen Lösungen nichts", so Pfaffmann, der am Kongress teilgenommen hat.
Vermisst hat der Bildungssprecher vor allem eine Aussage zur jahrelangen Streichung von Lehrerplanstellen an den Hauptschulen. Im aktuellen Haushalt entfallen 1660 Stellen. Jetzt sollen in einer Perspektive von bis zu zehn Jahren 1300 Stellen für die Ganztagsschulen wieder zurückgegeben werden. "Das heißt, auch nach dem Kongress haben die Hauptschulen immer noch zu wenig Personal zur Verfügung."
Lehrplan unklar
Die Veranstaltung hat die Selbstwahrnehmung von Hauptschulen nicht gestärkt. Dies machte die Podiumsdiskussion deutlich, in der die Benachteiligung der Hauptschulen gegenüber anderen Schularten beklagt wurde. Schade: Die Forderung, an jedem Hauptschulstandort einen gleichwertigen mittleren Abschluss anzubieten, wurde gar nicht erst besprochen.
Auch zur vorgelegten Profilbildung blieben viele Fragen offen. Wie soll der entsprechende Lehrplan aussehen? Werden dazu Fachlehrer benötigt? Ist die Modularisierung nicht eine weitere Form der Selektion im Selektionsschulsystem? Wie soll die Profilbildung im praktischen Teil aussehen?
Auch bei den Ganztagsschulen und deren flächendeckender Einführung wurde kein Problem gelöst. Welche zusätzlichen Ressourcen erhalten die Hauptschulen, wenn sie zu Ganztagsschulen umgebaut werden? Die Stundenzuweisung von zwölf Wochenstunden reicht bei weitem nicht aus, um den Anspruch einer pädagogisch wertvollen Ganztagsklasse erfüllen zu können. "Notwendig wären mindestens 16 zusätzliche Lehrerstunden", erklärt Pfaffmann.