Franz Maget und Berthold Kamm würdigen Sozialdemokraten in ihrem Kampf gegen das Hitler-Regime
Veröffentlicht am 30.01.2008 in Landespolitik
In einer Feierstunde gedachte heute Landtagspräsident Alois Glück der Opfer und Verfolgten des NS-Regimes aus bayerischen Parlamenten und stellte dabei eine Dokumentation des Institutes der Zeitgeschichte und des Hauses der Bayerischen Geschichte vor.
Damit wurde ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Landtagsfraktion erfüllt, künftig der verfolgten Parlamentarier in Würde zu gedenken. Eine Gedenktafel für verfolgte Parlamentarier war auf SPD-Antrag im vergangenen Jahr im Landtag eingeweiht worden.
Nur die Sozialdemokraten stimmten gegen die Nazis
Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Franz Maget, erinnert an die Abstimmung über das Bayerische Ermächtigungsgesetz am 29. April 1933. Als einzige hatten sich die 16 Abgeordneten der Sozialdemokratie geweigert, diesem "Selbstmord des Parlaments aus Furcht vor dem Tode" (Wilhelm Hoegner) zuzustimmen. "Hätten alle demokratischen Parteien angesichts des Terrors mutig gegen die Nazis Flagge gezeigt, hätte es keine Mehrheit für das bayerische Ermächtigungsgesetz gegeben," erklärte Franz Maget. Die Abstimmung über den Entwurf eines "Gesetzes zur Behebung der Not des bayerischen Volkes und Staates", wie es ebenso beschönigend wie zynisch hieß, machte den 29. April 1933 auf der einen Seite zu einem „Tag der Schande für den Parlamentarismus in unserem Land und auf der anderen zu einem Tag des Stolzes für uns Sozialdemokraten," so Maget.
Großer Respekt und große Ehre
„Wir bayerischen Sozialdemokraten erinnern mit großem Respekt an unsere Vorgänger. Allein sie standen trotz des bereits allenthalben gegenwärtigen Nazi-Terrors zu ihrer demokratischen und freiheitlichen Überzeugung und stimmten mit ihrem "Nein" gegen die sich ausbreitende Diktatur. Es ist für mich eine große Ehre der einzigen politischen Bewegung anzugehören, die in ihrer über 140jährigen Geschichte in Deutschland die Ideale von Freiheit und Demokratie nie verraten hat."
Bei der heutigen Feierstunde begrüßte Landtagspräsident Glück auch den ehemaligen Landtagsvizepräsidenten Berthold Kamm, jetzt Vorsitzender der Nürnberger Sektion der Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten (AvS). Kamm erinnert an die "herausragende Tradition der Familie Maly". Der Großvater Karl des Nürnberger OB Ulrich Maly war 1933 SPD-Stadtrat in der Noris und wurde zusammen mit anderen sozialdemokratischen Mandatsträgern als einer der Ersten Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. "Das Martyrium der KZ-Haft hat Karl Maly wie viele andere bis zu seinem Tode verfolgt", erzählt Bertold Kamm von seinem langjährigen politischen Weggefährten: "Auch seine Angehörigen mussten unter der Terrorherrschaft der Nazis leiden".