Den Wald auf den Klimawandel einstellen!

Veröffentlicht am 09.09.2007 in Landespolitik

Das Geld aus dem Staatsforst muss wieder in den Wald investiert werden! - Bilanz nach zwei Jahren Forstreform zeigt Nachbesserungs-
bedarf.

Heidi Lück: Der Forst muss weiter einen eigenen Haushalt haben. Bessere Ausstattung der Forstverwaltung. Unterstützung für Forstbetriebs-
gemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen. Drei Anträge der SPD-Landtagsfraktion.

Ein gesunder und stabiler Mischwald ist die beste Versicherung und das wichtigste Bollwerk gegen den Klimawandel. Darin sind sich alle Fachleute einig. Umso notwendiger ist es nach Meinung der forstpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heidi Lück, dieses Kapital Bayerns - unser Bundesland ist auf einem Drittel seiner Landesfläche bewaldet - zu schützen, in seinen vielfältigen Funktionen zu erhalten und gegen den Klimawandel zu rüsten.
Konkrete Ansatzpunkte "pro Wald" hat der Arbeitskreis für Landwirtschaft und Forsten der SPD-Landtagsfraktion unter Leitung von Heidi Lück nach verschiedenen Gesprächen mit Waldfachleuten sowie mit Waldbesitzern, Forstbeschäftigten und Naturschützern erarbeitet und in Anträge gefasst.
Die Initiativen hat Heidi Lück in einer Pressekonferenz - Bilanz nach zwei Jahren Forstreform zeigt Nachbesserungsbedarf - vorgestellt. Die Vorlage dazu hat folgenden Wortlaut:

Das Geld aus dem Staatsforst muss wieder in den Wald investiert werden! Bilanz zu 2 Jahren Forstreform zeigt Nachbesserungsbedarf

Wälder prägen das Gesicht Bayerns. 35 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt. Die naturnahe Waldbewirtschaftung und der Aufbau standortgerechter Mischwälder sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die Wälder ihre vielfältigen Gemeinwohlfunktionen - vom Klimaschutz, von der Luftreinhaltung und dem Schutz des Trinkwassers und der Böden über den Schutz vor Hochwassern, Lawinen, Muren und Bodenerosion bis hin zum wichtigen Raum für Freizeit und Erholung - auch weiterhin erfüllen können.
Alle Fachleute sind sich einig: Ein gesunder und stabiler Mischwald ist die beste Versicherung und das wichtigste Bollwerk gegen den Klimawandel. Wälder sind Kohlendioxidsenken. Sie binden das Kohlendioxid, das Hauptverursacher – zu 60 Prozent – für den Treibhauseffekt ist.
Für die forstpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heidi Lück, gibt es daraus nur eine Konsequenz: "Bayern muss mehr Geld und mehr Personal bereitstellen, damit der Waldumbau im Freistaat – Mischwälder und Tannen statt Fichtenmonokulturen – gelingen kann und die bayerischen Wälder im Kampf gegen den Klimawandel ihrer wichtigen Funktion gerecht werden können. Im Klartext: Das Geld aus dem Staatsforst muss wieder in den Wald investiert werden. Es geht nicht länger an, dass der bayerische Finanzminister jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge aus den Forsterlösen abzieht, um damit seine Haushaltslöcher an anderer Stelle zu stopfen. Die beträchtlichen Gewinne der Bayerischen Staatsforsten müssen wieder dem Wald, seiner Pflege und seiner Betreuung zugute kommen."

Doch es geht nicht nur um den Waldumbau, betont Heidi Lück: "Auch die Forstverwaltung braucht mehr Geld, damit die Ausstattung stimmt, ausreichend Geld für Dienstreisen in den größeren Revieren und für Fortbildung zur Verfügung steht und die Ausbildungsangebote für die Waldarbeiter bedarfs- und nachfragegerecht ausgebaut werden können."
Drei parlamentarische Anträge sollen die Situation in der Forstverwaltung und auch bei den Forstbetriebsgemeinschaften und in den Waldbesitzervereinigungen verbessern. Nach Gesprächen mit dem Waldbesitzerverband, Privatwaldbesitzern, Forstbediensteten, IG BAU-Gewerk-schaftern und Personalräten, Sägewerksbesitzern, Bund Naturschutz, Waldbündnis Bayern, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und Verein zum Schutz der Bergwelt offenbart sich für die SPD-Forstsprecherin eine Vielzahl von Defiziten: Sie reichen von unzureichender Grundausstattung der Fachleute im Bereich Schulungen, Lehrgängen, Dienstreisen, EDV-Anlagen und technischem Gerät über mangelhafte Kommunikationsstrukturen zwischen den Beteiligten und eine deutliche Unterversorgung in der Beratung der 700 000 bayerischen Privatwaldbesitzer bis hin zu falschen Kriterien für Subventionen, die sich am Holzeinschlag orientieren.
Die SPD-Forstsprecherin erneuert ihre Forderung, den Forstbereich in einem eigenen (Unter-) Haushalt zu führen und das Geld aus den Staatsforsten im Wald zu lassen. Sie kündigt einen neuerlichen Vorstoß für die Beratungen zum Nachtragshaushalt an.

Den Wald auf den Klimawandel einstellen

Die Erwärmung unseres Klimas wird die bayerischen Wälder verändern, ist Heidi Lück sicher: "Die Fichte wird im Klimawandel nicht bestehen können. Deshalb müssen jetzt große Anstrengungen in den Umbau zu standortheimischen Mischwäldern unternommen werden, damit die 80 000 Hektar reinen Fichtenkulturen in Bayern nicht schon in wenigen Jahren zu Kahlflächen werden. Mehr Schutz als bisher braucht auch der Schutz- und Bergwald, weil er in besonderer Weise die Folgen des Klimawandels abmildert und Schutz für die Menschen bietet." Von den rund 147 000 Hektar sind 130 000 Hektar als Schutzgebieten ausgewiesen. Saniert wird derzeit auf etwa 13 000 Hektar, verteilt auf rund 1 200 Einzelflächen.

Nachdrücklich verlangt die forstpolitische Sprecherin, das Prinzip "Wald vor Wild" ohne Wenn und Aber umzusetzen: "Ein ausgewogenes Wald-Wild-Verhältnis ist die beste Garantie für eine stabile, meist standortgerechte Naturverjüngung und spart zusätzlich noch Geld, pro Hektar einige tausend Euro. Dieses Geld muss der Freistaat einsetzen, um überaus dringende Umbau- und Schutzmaßnahmen voranzutreiben."
Heidi Lück bedauert, dass es heute immer wieder Diskussionen über den notwendigen Abschuss gibt, obwohl kein einziger Fachmann die Zusammenhänge zwischen hoher Wilddichte und den Problemen im Wald verneint. Ebenfalls eine negative Rolle spielen die immer größer werdenden Forstreviere nach der Forstreform: "Die Verbissraten vor allem bei den Laubbäumen und Tannen sind fast so hoch wie vor 20 Jahren. Deshalb müssen die Jagdpachtverträge so gestaltet werden, dass der standortheimische Jungwald in befriedigender Zahl und Qualität aufwachsen kann. Und auch ins Jagdgesetz gehört der Grundsatz Wald vor Wild."

Bessere Ausstattung der Forstverwaltung

Mit zwei Anträgen will die SPD-Landtagsfraktion Bilanz über die Ausstattung der Forstverwaltung ziehen und die größten Mängel beseitigen. Dazu sollen nach Meinung von Heidi Lück die beträchtlichen Gewinne der Bayerischen Staatsforsten herangezogen werden.
"Die Beschäftigten müssen ausreichend Geld für Dienstreisen in den größeren Revieren und für Fortbildung bekommen. Die Ausstattung ist hoffnungslos altmodisch. Es geht nicht an, dass sie unter nicht vorhandenen oder antiquierten PCs und Druckern leiden, dass sie oft keinen Internet-Anschluss für die Feststellung von Eigentumsverhältnissen beim Borkenkäferbefall haben, dass die Kommunikation zwischen den einzelnen Beteiligten unter technischen Unzulänglichkeiten leidet, dass technische Geräte wie GPS – zum Beispiel zur Vermessung von Waldstücken – fehlen, dass notwenige Kontrollfahrten an fehlenden Finanzmitteln scheitern, dass bis heute nicht klar ist, wie die Kontrolle der Staatswaldbewirtschaftung aussieht", betont Heidi Lück.
"Die Aus- und Fortbildungsangebote für die Waldarbeiter und die Waldbesitzer müssen bedarfs- und nachfragegerecht ausgebaut werden", fordert Heidi Lück, nachdem viele der Gesprächspartner von einer deutlich steigenden Zahl schwerer Unfälle in der Waldarbeit berichtet hatten, die sie auf diese Unterlassungssünde zurückführen. Auch eine optimale Effektivität der Beschäftigten ist nur bei einem umfassenden und vor allem aktuellen Wissensstand möglich.

Knowhow verbessern

Ziele wie die Beteiligung eines angemessenen Anteils standortheimischer Baumarten, der Verzicht auf Kahlschläge oder das Vermeiden flächigen Befahrens der Waldböden usw. werden bisweilen insbesondere im mittleren und großen Privatwald nicht in ausreichendem Umfang umgesetzt. Das läuft nicht nur der Zweckbestimmung des Waldgesetzes, sondern auch den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes und verschiedenen internationalen Entwicklungen zuwider.
Deshalb muss das Knowhow verbessert werden: Durch den Klimawandel wird die schnelle Bereitstellung neuen Grundlagenmaterials und entsprechenden Fachpersonals notwendig. Großflächig zusammenbrechende Fichtenbestände erfordern eine Anpassung von Bestockungszielen, Baumarteneignungstabellen und Standortkarten an die sich ändernde Situation, um Fehler bei der anstehenden Wiederaufforstung der Schadflächen zu vermeiden.

Unterstützung für Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen

Die Waldbesitzervereinigungen und die Forstbetriebsgemeinschaften sollen verstärkt die Aufgaben der Privatförster übernehmen: Der Personalabbau bei der Forstverwaltung macht diese Notwendigkeit klar.
Die Forstbetriebsgemeinschaften haben sich nach Meinung aller Gesprächsteilnehmer gut bewährt. Heidi Lück: "Allerdings ist es jetzt notwendig, die Forstbetriebsgemeinschaften und die Waldbesitzervereinigungen so zu unterstützen, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. Dazu gehört insbesondere, dass ihnen für die Betreuung von Kleinwaldbesitzern pro Betreuungsvertrag eine bestimmte Fördersumme zugestanden wird und dass sie bei der Anwerbung von Fachpersonal mit forstfachlicher Ausbildung (Fachhochschule, Universität, Forsttechniker) unterstützt werden.
Außerdem sollten Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen künftig nach einem anderen Schlüssel bezuschusst werden. Heidi Lück: "Es ist für die Waldpflege kontraproduktiv, wenn sich die Zuschüsse am Holzeinschlag orientieren."

 

 

Der Film zum Ehrenamt im Fichtelgebirge

Die Basis für Ortsvereine

DIE Seite für SPD Webmaster